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Geshichte

Prolog

Die Idee, die Wildtierschutz-Anlagen zu konzipieren, wurde in Gesprächen über die Modernisierung der Eisenbahnstrecke E20 zwischen Mińsk Mazowiecki und Siedlce geboren. Es gab zwei Möglichkeiten – entweder die Grünbrücke für Wildtiere zu bauen oder eine Vorrichtung zu gestalten, die die natürliche Umwelt nicht beeinträchtigen wird. Eine besondere Rolle bei der Gestaltung dieser Anlagen spielte Dr. Miroslaw Ryba, Neuropsychologe an der Polnischen Akademie der Wissenschaften, der bei der Anpassung einer entsprechenden Verfahrensmethodik sehr hilfreich war. Einen ebenfalls wichtigen Beitrag leistete Jerzy Jakimowicz – Stellvertretender Vertriebsleiter der Bombardier (ZWUS) GmbH.

 

Frau Professor Simona Kossak

Ein Wendepunkt war die Kontaktaufnahme zu Frau Prof. Simona Kossak, Leiterin der Abteilung für Naturwälder im Institut für Waldforschung mit Sitz in Bialowieza (in der ersten Hälfte Juni 2003). Die Tocher von Jerzy Kossak, Enkelin von Wojciech Kossak und Urenkelin von Juliusz Kossak – berühmten Malern, eine der weltweit besten Ethologen (Spezialisten für Tierpsychologie) sagte beim ersten Treffen: „für ein solches Treffen habe ich seit Jahren gewartet, weil ich schon seit langem weiß, wie ein solches Gerät funktionieren sollte, nur ich weiß nicht, wie das technisch zu machen ist.”

Noch im Juni desselben Jahres wurde ein Vertrag mit Bombardier abgeschlossen (NEEL als Subunternehmer im Rahmen eines Vertrages für die Modernisierung der Eisenbahnstrecke E20). Ende Juli 2003, nach einer sorgfältigen Untersuchung der Patentreinheit, wurde beim Polnischen Patentamt eine neue Erfindung angemeldet und im September war die erste Betriebserprobung von drei Ur-Prototypen in den Wäldern nahe Rembertow erfolgreich durchgeführt. Die ersten Anlagen wurden an den frostigen Februartagen 2003 an der Eisenbahnstrecke E20 installiert. Man hat sie UOZ-1 genannt: UOZ-1-Wildtierschutzanlage.

Auf einem 50 Kilometer langen Abschnitt der Bahnstrecke E20 wurden insgesamt 62 Anlagen eingebaut. 30 Anlagen schützen das Gebiet an der Grenze der E20-Strecke mit dem Naturreservat „Stawy Broszkowskie”, die übrigen wurden in 8 Orten, wo besonders viel Wildwechsel zu beobachten ist, montiert. Die Geräte stehen auf Betonsockeln und werden direkt an der Strecke, abwechselnd auf beiden Seiten des Gleises in einem Abstand von etwa 70 m eingebaut. Sie haben die Form einer Thermoflasche mit einer Höhe von etwa 110 cm und einem Durchmesser von 30 cm. Innen befinden sich elektronische Einrichtungen und die speziell für uns durch Fa. PROTONSIL Września hergestellten zwei Hochleitungshornlautsprecher von einer omnidimensionaler Abstrahlcharakteristik. In der Abbildung 1 ist die UOZ-1-Anlage der ersten Prototyp-Serie zu sehen und die Abbildung 2 stellt die Anlage aus der Produktionsserie, mit einem aus Epoxy-Glas-Verbundstoffen gefertigten Gehäuse dar.

Wie funktioniert es?

Der Schlüssel des ganzen Systems war die Voraussetzung, dass eine angemessene Reaktion der Tiere durch die Übertragung von akustischen Signalen bedingt ist, die den Tieren bekannte und in Genen gespeicherte Informationen enthalten. Damit diese Informationen richtig gelesen werden können, müssen sie sich auf einen der wichtigsten, in der Natur vorkommenden Triebe beziehen, und zwar auf den Selbsterhaltungstrieb.

Wenn sich ein Tier in einem durch die UOZ-1-Anlagen geschützten Bereich befindet (d.h. in unmittelbarer Nähe eines Gleises oder direkt auf einem Gleis), soll es sich dann in einem für sich sicheren Ort, d.h. in dem einige oder ein paar Duzend Meter entfernten Wald verstecken. Die Warnsignale werden eine Minute vor Zugdurchfahrt ausgelöst und enden nachdem der Zug das geschützte Gebiet verlässt. Nachdem der Zug durchgefahren ist, schalten sich die Anlagen aus und die Tiere können die Bahngleise überqueren.

In der Abbildung 3 sind die UOZ-1-Anlagen zu sehen, die entlang der an der Grenze des Naturreservats „Stawy Broszkowskie" laufenden Bahnstrecke eingebaut wurden.

Was das Abschreckungssignal als solches betrifft, dann muss die einem Tier übergebene Mitteilung logisch sein und der Realität entsprechen. Und so am Anfang werden aus den Lautsprechern Warnrufe eines Eichenhähers ausgesendet, der seit einigen tausend Jahren andere Tiere vor einer seitens anderen Raubtiers drohenden Gefahr warnt. Dann hört man bellende Hunde, aber nicht Dorfhunde, sondern durch einen langen Lauf wütende Mastiffs. Anschließend überlappen sich die angreifenden Hunde mit den Sounds der um ihr Leben kämpfenden Tiere (Kaninchen, Schwein). Das Ganze ist die Soundwiedergabe einer realen Situation, die den im Wald lebenden Tieren sehr gut bekannt ist, wobei der Täter "des Massakers am Gleis" ein Zug sein sollte. Die Reaktion ist ein sofortiger Rücktritt und die Beobachtung von Ereignissen aus einer sicheren Distanz.

Das Foto 3 stellt die UOZ-1 Anlagen dar, die an der Grenze vom Reservat Stawy Broszkowskie installiert sind.

„Schlüsselreize”

Die einzelnen Signale, aus denen die gesamte Sequenz gebildet ist, werden durch Tierpsychologen als „Schlüsselreize” bezeichnet und die UOZ-1-Anlage soll die Nachbildung der wichtigsten Anreize sein. Das Wichtigste ist jedoch, dass sich die Tiere nie den ausgesendeten Signale gewöhnen. Kranke, gehörlose oder verletzte Tiere haben immer weniger Chancen, um im Wald zu überleben. Das sog. natürliche Auslese regelt das meist selbst. Schwache und kranke Tiere müssen sterben, damit sie durch gesunde und kräftige Tiere „ersetzt“ werden. Ähnliches gilt am Bahngleis. Es ist zu erwarten, dass gesunde und kräftige Tiere richtig reagieren und eine Kollision mit dem fahrenden Zug vermeiden werden. Kranke oder verletzte Tiere haben dagegen viel kleinere Chancen, ihr Leben zu retten.

Die seit Frühling 2004 auf der Bahnstrecke zwischen Mińsk Mazowiecki und Siedlce geführten Forschungen haben ergeben, dass - bis zum heutigen Tage nur eine Kollision eines großen Säugetiers mit dem Zug auf den geschützten Streckenabschnitten aufgezeichnet wurde. Getötet wurde ein Hirsch und der Unfall ereignete sich Anfang November 2008, also am Ende der Paarungszeit (warmer Herbst begünstigt die Verlängerung dieser Periode). Zur gleichen Zeit wurden aber viele Kollisionen von Tieren mit dem Zug auf diesen Gebieten aufgezeichnet, die durch die UOZ-1-Anlagen nicht geschützt waren. So ist die Bilanz eindeutig positiv und die Theorie wird somit in der Praxis bestätigt.

Forschungen zur Wirksamkeit

Die Welturaufführung der oben beschriebenen Anlage fand auf einer internationalen Konferenz in Posen im September 2006 statt.

Im Juni 2007 haben wir beschlossen, ein Experiment im Wildpark in Kadzidłowo durchzuführen. Unser Ziel war es, die Reaktion von Tieren auf die durch UOZ-1-Anlage ausgesendeten Signale zu prüfen. Ein großes, eingezäuntes Gebiet mit einer Fläche von 100ha, mit darin frei lebenden Hirschen, Rehen und Wildschweinen war ein perfekter Ort für solche Beobachtungen.

Die Wissenschaftler von der Hauptschule für Landwirtschaft in Warschau haben im Auftrag der Polnischen Staatsbahnen die an der E20-Strecke installierten UOZ-1-Anlagen für einen Zeitraum von fast zwei Jahren umfassend überwacht.

Das Projekt wurde in drei Phasen unterteilt. Im Winter 2007/2008 hat man mit den Untersuchungen des Tierverhaltens im experimentellen Bauernhof in den Wäldern nahe Iława begonnen. Innen in einem mit Fenstern ausgestatteten Hochstand wurde eine digitale Kamera, Infrarotstrahl-Gerät sowie ein Treiber der UOZ-1-Anlage installiert. Die dort aufgenommenen Videos bilden die Phase Nr. 1.

Zweite Phase umfasst direkte Beobachtungen des überwachten Gebiets, die Verfolgung zunächst im Schnee und dann auf einem gepflügten, an der Eisenbahnstrecke gelegenen Landstreifen sowie Erstellen von Berichten über die Kollisionen der Tiere mit den Zügen.

Die Installation von Digitalkameras in den ausgewählten, durch die UOZ-1-Anlegen geschützten Gebieten sowie die im August 2008 begonnene, 24-stündige Überwachung und Aufzeichnung von allem, was in diesen Gebieten geschieht.

In der Zwischenzeit, am 15. März 2007 hat uns Frau Prof. Simona Kossak nach kurzer und schwerer Krankheit unerwartet für immer verlassen. Sie hinterließ uns sehr genaue Anweisungen über weitere Entwicklung des Geräts; die Forschungen werden also weitergeführt. Wir arbeiten an der Verbesserung der Abschreckungsmethodik sowie an technischen Lösungen.

Technik geht vorwärts

 

Das für uns entscheidende Element ist die Genauigkeit der Berechnung der für die Durchfahrt eines Zuges im geschützten Bereich vorgesehenen Zeit. Die Warnsignale werden zu einem bestimmten, genau berechneten Zeitpunkt ausgelöst, d.h. so früh genug, dass die Sequenz vollständig wiedergegeben und beendet werden kann, bis der Zug die durch UOZ-1-Anlagen geschürzte Zone erreicht. Die Zugdurchfahrt soll der Abschluss einer Abschreckungssequenz sein und der Zug gilt als mutmaßlicher Täter des Massakers am Gleis.

Die Übertragung der Informationen zu den aktuellen Standort der Züge erfolgt über die Hilfsstromkreise des selbsttätigen Streckenblocks (z.B. des Typs SHL-12). Vom Steuerungs-/ Kontrollmodul im Streckenblock-Container werden die Daten über die Nichtverfügbarkeit weiterer getrennter Strecken übertragen, was die Verfolgung von Zügen auf einer virtuellen Karte ermöglicht, die auch ein Teil der UOZ-1-Anlage Software ist.


Die Genauigkeit der Informationsgewinnung hängt mit den Längen der getrennten Strecken zusammen (1500-2300 m lang). Eine genaue Berechnung der Startzeit von UOZ-1-Anlagen ist nur dann möglich, wenn die Zugfahrt ohne Änderungen der Geschwindigkeit erfolgt.

Der Zug, der drastisch verlangsamt oder beschleunigt, kann das UOZ-System durch vorzeitige oder verspätete Durchfahrt über einen bestimmten Streckenabschnitt "überraschen".

Ein sehr wichtiger Aspekt, auch wenn selten in Angriff genommen, ist die Frage der Sicherheit eines Zuges. Also die andere Seite der Medaille. Wir sprechen nur über den Schutz der Tiere, und was ist mit der Sicherheit von Zügen? Nach dem Jahre 2000 gab es einige spektakulären Zugunfälle, die durch eine Kollision der Tiere mit dem Zug verursacht wurden. 2001, Eisenbahnstrecke Rzepin – Kunowice, ein Schnellzug kollidiert mit einem Rudel von 20 Wildschweinen, die im Gänsemarsch mitten auf der Bahnstrecke gelaufen sind.

Schluss

Resümierend, war die Bearbeitung der UOZ-1 Anlage ein interessantester Entwurf aus allen von uns realisierten, innerhalb 16-jaehriger Geschichte unserer Firma.

 

 

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